- 1816 wird „das Jahr ohne Sommer“ genannt, weil im Jahr zuvor auf Sumbawa östlich von Bali in Indonesien ein Vulkan ausbrach. Diese weltweite sich auswirkende Klimakatastrophe mit Hungersnöten und Missernten verstärkten die zuvor bereits über mehrere Jahre anhaltenden Engpässe auf dem Getreidemarkt. Der Preis für den Hafer und das Heu waren ungemein gestiegen. Pferde verhungerten, weil ihnen ihr angestammtes Futter, der Hafer, fehlte. Pferdekutschen fielen deshalb aus, Derartige Transportmöglichkeiten wurden Mangelware.
- 1817 suchte womöglich Herr Drais nach einem Ersatz für die kostspieligen Zugtiere, mit dem sich die Fuhrwerke fortbewegen ließen und entwickelte als Erfinder die Draisine oder das Laufrad. Erzählt wird, dass Drais die 50 km lange Strecke von Karlsruhe nach Kehl in 4 Stunden mit so einem Laufrad zurückgelegt hätte.
- Rund zwanzig Jahre später (zwischen 1839-1840) gelang einem Mr. Macmillan im Süden Schottlands, die Erfindung von Drais zu verbessern. Pedale und Sattel ergänzten das Laufrad. Mit den Pedalen konnte der Fahrer über Pleuelstangen das Hinterrad antreiben. Das Vorderrad drehte der Fahrer mit dem Lenker. Somit dürfte man eigentlich Mr. Macmillan als „den Erfinder“ des ersten Fahrrads bezeichnen.
- Holzteile wurden lackiert, Metallteile erhitzte man und tauchte sie in Öl, wodurch sie schwarz und gegen Korrosion geschützt wurden.
- Michaux, ein Franzose, produzierte 1868 bereits in seiner Firma das mit am Vorderrad befestigter Tretkurbel genannte Vélocipède in Serie, u.a. löste wohl auf der Weltausstellung in Paris ein Jahr zuvor die Vorstellung des neuen Bewegungsapparates einen Boom aus. Paris schien besonders fürs Radfahren geeignet, denn man hatte hier mit der Asphaltierung der Straßen begonnen. Außerhalb war das Fahren mit diesen Gefährten gefährlich bzw. unmöglich, schlechter Wege, durch Zugtiere mit Spurrillen durchzogen, bei Regen Schlammwüsten, waren für die teils 40 Kg wiegenden Geräte ungeeignet.
- Das Hochrad mit Vollgummibereifung und Vorderradantrieb gelang nach einer Idee dem Franzosen Meyer um 1869. Durch das enorm hohe Vorderrad stellte Radfahren zu der Zeit eine große Gefahr für Lenker als auch Passanten durch Umfallen dar.
- Ein Tüftler von der britischen Insel trieb die Entwicklung des für seine Zeit modernen Fahrrades voran. Starley hieß der gute Mann aus Coventry, der um 1874 die Bespeichung des Vorderrades revolutionierte. Überkreuzte Anordnung der Speichen an der Nabe / Felge brachte Stabilität und Sicherheit beim Bremsen. 1878 verlegte er den Kettenantrieb aufs Hinterrad und reduzierte so das überdimensionierte Vorderrad auf Normalmaß . Sein Vehikel nannte er „Rover“.
- Schutz vor Korrosion schaffte man durch Einbrennlackierung (Harrington, 1883). Asphaltlack auf die Metallteile mehrmals aufgetragen und jeweils bei hohen Temperaturen getrocknet. Sehr widerstandsfähig.
- Das sogenannte „Niederrad“ (zwei gleich große Räder) verschlechterte die Fahreigenschaften. Der Durchbruch zur Mobilität für Jedermann gelang mit der Entwicklung des Luftreifens 1888 durch Dunlop. Schneller und „gefederter“ kam man nun mit einem Rad voran.
- Für mehr Sicherheit sorgte dann ein deutsches Unternehmen namens Fichtel & Sachs durch die Entwicklung der Rücktrittbremse im Jahr 1900. Markenname etwas später „Torpedo“ (so dann auch die Dreigangschaltung).
- In Amerika entwickelte sich rasch ein eigener Industriezweig, Herstellung der Drahtesel, aber vor allem die Zulieferbetriebe (Speichen, Rahmen, Kugellager etc.) trugen mit zum Aufschwung bei. Ein Drittel aller Patente entfielen gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf solche, die etwas mit dem Fahrrad zu tun hatten.
- In den USA geriet das Fahrrad zum Freiheitssymbol der Frauen. Sie begeisterten sich für das neue Mobilitätsgefährt, wechselten ihre viktorianischen Röcke gegen Hosen aus. Skandalös fanden das wohl vor allem Männer. In Scharen belebten die Frauen das Straßenbild. Vermutlich trug das Radfahren mehr zur weiblichen Emanzipation bei als andere Dinge.
- 1903 fand die erste Tour de France statt. 60 Teilnehmer gingen an den Start der 4.500 km langen Strecke. Von den Fahrern erreichten 21 das Ziel.
- Kettenschaltung mit Umwerfer kam 1905 als Verbesserung hinzu.
- 1910 gründete man in Birmingham die Hercules Bicycle Company. Die Firma baute qualitativ hochwertige Räder und eroberte bald große Marktanteile, 10.000 produzierte man 1914. Exporte betrugen in den 20er rund 20% der britischen Fahrräder, später sogar bis zu 40%. 1939 verließ das 6.000.000 Rad die Produktionsstätte.
- Metallteile hängte man ab ungefähr 1910 zum Vernickeln in ein Elektrolytbad. Die Einbrennmethode blieb Standard, ebenso die Farbe „schwarz“. Zuerst „malte“ man die Farbe mit dem Pinsel auf, später steckte man die Rahmen bei größerer Stückzahl in ein Tauchbad.
- Die Gangschaltung: Viele Entwicklungen gab es dazu, schon 1895 konnte man über zwei Gänge verfügen. 1902 entwarf Reilly eine Dreigangnabenschaltung. Das erste deutsche Patent besaß 1902 das Unternehmen Wanderer. Fichtel & Sachs stellten 1907 ebenfalls eine 2-Gang-Nabenschaltung her (Markenname: Torpedo). Ihr Nachfolgemodell 1912 nannte sich Universal-Torpedo und besaß vier Gänge und Rücktrittbremse. Kein Erfolgsmodell, deshalb schon 1916 die Einstellung dieser Produktion.
1924 brachte Fichtel & Sachs die erste Torpedo-3-Gang-Nabenschaltung mit Rücktrittbremse auf den Markt.
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Verkehrsmittel Nummer 1 blieb das Fahrrad dann in Deutschland bis in die Zeit des Wirtschaftswunders. In den 50er Jahren hatte es die Radindustrie sichtlich schwerer, Mobilität mit dem Auto war schicker geworden. Marketingexperten ließen sich als Ergänzung das Faltrad „einfallen“. Zusammengeklappt passte so ein Teil gut in den Kofferraum.
- Modern kam man mit der Entwicklung der Mountain-Bikes Anfang der 80er Jahre daher, Trendsportart.
Siehe für weitere Informationen auch: Fahrrad.de

